Geschichte der Sektion Neustadt bei Coburg

Sobald nach dem 2.Weltkrieg von Seiten der Besatzungsmacht eine gewisse Vereinstätigkeit erlaubt war, fanden sich in Neustadt gleichgesinnte, ideell denkende Menschen zusammen, um die Gründung einer Alpenvereinssektion in die Wege zu leiten. Zu der am 28. Januar 1948 einberufenen Versammlung in der Arnoldhütte auf dem Neustadter Hausberg, dem Muppberg, fanden sich 74 begeisterte Naturfreunde ein und gründeten an diesem Tag die Sektion Neustadt des DAV. Alle 74 Personen haben sich als Gründungsmitglieder eingeschrieben. Als Vorsitzender wurde Franz Faber gewählt. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 10 Reichsmark festgesetzt.

Beim 10-jährigen Bestehen zählte die Sektion 82 Mitglieder. Mit 101 wurde 1959 die 100 überschritten, 1977 die 200 und zum 40-jährigen Bestehen zählte man über 250 Mitglieder. Derzeit gehören über 300 Mitglieder unserer Sektion an.

Auf Initiative des damaligen Vorsitzenden Dr. Bösche wurde im Jahre 1964 von der Sektion die „Stiftung Spazierengehen“ ins Leben gerufen. Er nahm sich dieser Aufgabe intensiv an. Diese wöchentlich durchgeführten Samstagsspaziergänge fanden besonders bei der älteren Bevölkerung eine ansprechende Resonanz und so wurde vielen Neustädtern die Schönheiten unserer Umgebung nahe gebracht.

Einen großen Erfolg bescherte der Sektion auch die ab 1968 organisierten und in Verbindung mit dem Stadtverband durchgeführten Grenzlandwanderungen. Sie fanden bis 1974 jeweils am 17. Juni, dem „Tag der deutschen Einheit“ statt. Die Beteiligung erhöhte sich von Jahr zu Jahr und erreicht 1972 über 3000 Teilnehmer. Dabei wurde vielen Wanderern aus nah und fern immer wieder die unsinnige Teilung Deutschlands und die dichte Grenze sichtbar vor Augen geführt und in Erinnerung gebracht. Als diese dann als IVV-Wanderungen durchgeführt wurden, hat die Sektion auf eine weitere Organisation verzichtet, da sie mit den Idealen des Alpenvereins nicht zu vereinbaren waren.

Dafür wurde 1975 die so genannte „17.-Juni-Wanderung“ ins Leben gerufen, in der Sektionsmitglieder seit über 30 Jahren Mehrtageswanderungen zurücklegen. Zum Beispiel von Pforzheim durch den Schwarzwald bis Basel, von Neustadt durch das Altmühltal bis Kloster Weltenburg und viele andere Weitwanderwege in den deutschen Mittelgebirgen. Unter der Leitung und Organisation von Günther Kessel erfreuen sie sich noch heute großer Beliebtheit. Bis zum Jahr 2012 wurden insgesamt 2658 km zurück gelegt.

Selbstverständlich ist die Sektion auch im Alpenraum aktiv. Wandern, Bergsteigen und Klettern stehen seit Gründung der Bergsteigergruppe im Jahre 1957 fest auf dem Programm. Zum Training dafür werden an den Wochenenden die herrlichen Felsen der nahen Fränkischen Schweiz beklettert. Seit das Klettern auch in der Halle möglich ist, werden fränkische und die Coburger Indoor-Anlage benutzt um diese interessante Bewegungsart auch im Winter auszuüben. Erfreulicherweise ist das ab 2011 auch in Neustadt möglich. Dass im Neubau einer Schulturnhalle eine Kletterwand installiert wurde, ist zu einem großen Teil auf die Initiative unserer Vorstandschaft zurückzuführen. Auch Kajakfahren ist seit Anfang der 90er Jahre in der Sektion durchführbar. Die kleine Gruppe befährt die fränkischen Flüsse aber auch wilde Wasser in den bayerischen und österreichischen Alpen.

Ein bedeutsames Jahr für die Sektion war 1990. Die unselige Grenze ist dem Freiheitswillen der Deutschen in Ost und West endlich zum Opfer gefallen und die deutsche Einheit Wirklichkeit geworden. Die Neustädter Sektion war Anlaufstation für viele berginteressierte Bürger der alten DDR. Von den 37 Neuanmeldungen dieses Jahres waren 31 aus Thüringen und als Folge daraus ist die Ortsgruppe Neuhaus am Rennweg entstanden. Mit dem Thüringer Wald und der Sächsischen Schweiz konnten auch neue und interessante Wander- und Klettergebiete ins Programm aufgenommen werden.
1998 war die Sektion ein halbes Jahrhundert jung geworden. Die Feier zum 50-jährigen Bestehen wurde mit einem würdigen Festabend und einem anspruchvollen Programm mit vielen Mitgliedern und zahlreichen Gästen begangen. Die Mitgliederzahl erreichte ein Jahr später mit 351 den vorläufigen Höhepunkt.

Viel beachtet war in dieser Zeit auch die von drei Sektionsmitgliedern erarbeitete und erstellte Muppbergkarte. Auf Anregung der Stadt Neustadt haben sie alte Karten überarbeitet, eine völlig neue Karte konzipiert und die wesentlichen Wander- und Spazierwege darin aufgelistet. Die Farben mit denen die Wege in der Karte gekennzeichnet sind, entsprechen denen, wie sie in der Natur von Mitgliedern markiert wurden.

In den letzten Jahren sind keine besonders herausragende Ereignisse zu verzeichnen. Das Sektionsleben gestaltete sich kontinuierlich weiter. Erwähnenswert ist aber schon, dass man sich Neuem gegenüber nicht verschließt. So wird in den letzten Jahren auch das Schneeschuhwandern gepflegt. Mountainbiking, früher nur gelegentlich auf dem Programm, wird jetzt regelmäßig durchgeführt. Eine Gruppe Unentwegter trifft sich vom Frühjahr bis zum späten Herbst wöchentlich um diesen anstrengenden, attraktiven Sport auszuüben. Was wird die Zukunft wohl noch alles bringen?

Kurt Herrmann

Die Sektion haben in diesen Jahren als Vorsitzende geführt:

1948 Dr. Franz Faber
1949 – 1959 Edmund Langbein
1959 – 1970 Dr. Hermann Bösche
1970 – 1982 Günther Groh
1982 – 1992 Kurt Herrmann
1992 – 1998 Günther Kessel
1998 – 2004 Willy Riedl
2004 – 2010 Kurt Herrmann
seit 2010 Ramona Matzke

 

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